20/06/2026
Gestern habe ich etwas erlebt, das ich schon lange nicht mehr erlebt habe.
Gegen 23:30 Uhr war ich auf der Taborstraße unterwegs. Vier junge Männer, die mich sahen, begannen plötzlich rassistische Parolen zu singen, darunter auch das N-Wort. Das ging einige Minuten so.
Eine Passantin, die ebenfalls dort unterwegs war, kam zu mir und sagte, dass die Männer etwas rassistisches singen würden. Sie machte sich Sorgen um mich und meinte, ich solle die Straßenseite wechseln. Ich bedankte mich für ihre Anteilnahme, lehnte jedoch ab und ging langsam weiter. Nach einiger Zeit wechselten die jungen Männer schließlich selbst die Straßenseite.
Ich gebe Kindern und Jugendlichen, die sich so verhalten, nicht allein die Schuld. Ich glaube, dass Menschen selten ohne Grund handeln. Viele dieser jungen Männer sind möglicherweise verunsichert, haben Ängste oder fühlen sich mit ihren Problemen allein gelassen. Oft suchen sie dann nach einem einfachen Feindbild und richten ihren Frust gegen Menschen, die anders aussehen oder eine andere Herkunft haben.
Das eigentliche Problem sind jedoch nicht die Menschen, die anders aussehen, sondern die fehlende Unterstützung, das mangelnde Verständnis und die Perspektivlosigkeit, die manche junge Menschen erleben.
Warum erzähle ich diese Geschichte öffentlich?
Weil es unsere gemeinsame Aufgabe ist, für ein respektvolles Miteinander zu sorgen. Weil wir unseren Kindern, Verwandten und Freunden immer wieder vermitteln müssen, dass Rassismus keinen Platz in unserer Gesellschaft hat. Und weil Rassismus noch nie etwas Gutes hervorgebracht hat.
Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende.
Anthony