25/02/2017
Wir hatten euch über die letzten Monate einige unserer Küchenheld*Innen in Portraits vorgestellt.
Heute, zum Schluß, gibt es statt eines Portraits ein paar Abschiedsworte von Corinna:
In der Vergangenheit ist so viel über mich geschrieben worden:
“Warum das „Leaf“, Wie das „Leaf“, die Hintergründe meiner persönlichen Motivation.
Deshalb möchte ich an dieser Stelle nicht darüber schreiben, welche Musik ich gern in der Küche höre oder wie ein nicht geschriebenes Kochbuch heißen sollte.
Ich möchte mich als Erstes für das Privileg bedanken, überhaupt solch eine Gastronomie/Küche betreiben zu können.
Das sollte keine*r von uns außer Acht lassen, da wir die Zeiten - wie Bertold Brecht es in „Wovon lebt der Mensch?“ beschrieben hat - leider nicht überwunden haben.
Genauso wenig (trotz, mit oder genau wegen des „Vegan-Booms“?) haben wir die Ausbeutung der Tiere abgeschafft.
Doch ich hoffe, dass mit dem „Leaf“ ein Ort geschaffen worden ist, an dem sich die Rolle und Funktion von Tieren und Lohnarbeiter*Innen im Produktions- bzw. Ausbeutungsprozess qualitativ von anderen Unternehmen unterscheidet/unterschieden hat.
Vielleicht wie eine kleine Spinne in einem fetten Netz.
Und als die Spinne einer vieler Spinnweben im Leaf möchte ich mich bei euch bedanken:
Ein ganz dickes und herzliches Dankeschön geht an das Team -
ohne euch kein „Leaf“!
Ich kann hier keine Namen nennen, denn das Besondere war/ist, dass ich niemals das Gefühl hatte, dass es für euch nur ein Job war (dazu ist die Bezahlung zu schlecht…).
Für alle war das Leaf Überzeugung und Idealismus, sozialer Umgang und ein Platz ohne Hierarchien (von der Spinne abgesehen).
Bei all der “Romantik“ geht’s dann doch um Arbeit. Ja, ihr habt für das Restaurant so hart gearbeitet - jede*r mit all eurem Wissen, Gewissen und körperlicher Kraft!
Die vegane Küche, die wir euch Gästen gezeigt haben, ist immer noch „in process“! Und ich bin nicht nur der Meinung, dass wir Pioniere, sondern dass wir immer „in process“ waren und bleiben!
Deshalb danke ich der Küche für all das Mitmachen und den eigenen Kreationen.
Dem Service für die Umsetzung am Gast und all dem, das wir von dieser Arbeit nicht offensichtlich sehen.
Diese Crew ist einmalig.
Das „Leaf“ hat einen unglaublichen Kreis von Unterstützer*Innen: Homepage, Fotos, Facebook, Bäckerin, Reinigungsleute, Einkäufer und Sponsoren. Euch ein Dankeschön von Herzen.
Liebe Gäste und Stammkunden*Innen:
Keine Gastronomie ohne euch!
Den täglichen Gästen ein Dankeschön für eure Neugier und Interesse.
Den Stammgästen (ich habe die letzten Wochen erst erahnen können, wieviele es sind), danke ich für eure stetige Anwesenheit, eure Treue. Es ist schön zu wissen, einen Ort geschaffen zu haben, an dem Menschen sich wohl fühlen, eventuell vom Alltag abschalten und genießen können.
Danke auch für das Vertrauen bei euren Veranstaltungen:
Ehen wurden bei uns beschlossen und gefeiert; Anträge gemacht; Geburtstage und Weihnachten zelebriert.
Ich werde gerade jetzt oft gefragt:
„ Was machst du, wohin willst du?“
Ich weiß es noch nicht, aber im Idealfall möchte ich keine Arbeitgeberin mehr sein.
Das Ergebnis unserer Erkenntnisse sollte sein, im Kollektiv zu arbeiten. Doch das scheint leichter gesagt, als getan.
Eine fiktive Antwort eurer Fragen aus Bertolt Brechts „Fragen eines lesenden Arbeiters“
Wer baute das siebentorige Theben?
In den Büchern stehen die Namen von Königen.
Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt?
Und das mehrmals zerstörte Babylon
Wer baute es so viele Male auf?
In welchen Häusern
Des goldstrahlenden Lima wohnten die Bauleute?
Wohin gingen an dem Abend, wo die Chinesische Mauer fertig war
Die Maurer?
Das große Rom
Ist voll von Triumphbögen. Wer errichtete sie?
Über wen
Triumphierten die Cäsaren?
Hatte das vielbesungene Byzanz
Nur Paläste für seine Bewohner?
Selbst in dem sagenhaften Atlantis
Brüllten in der Nacht, wo das Meer es verschlang
Die Ersaufenden nach ihren Sklaven.
Der junge Alexander eroberte Indien.
Er allein?
Cäsar schlug die Gallier.
Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich?
Philipp von Spanien weinte, als seine Flotte
Untergegangen war. Weinte sonst niemand?
Friedrich der Zweite siegte im Siebenjährigen Krieg.
Wer
Siegte außer ihm?
Jede Seite ein Sieg.
Wer kochte den Siegesschmaus?
Alle zehn Jahre ein großer Mann.
Wer bezahlte die Spesen?
So viele Berichte.
So viele Fragen.
Es waren 6 Jahre Erfahrungen, harte Arbeit, kreatives Schaffen, Lernen, soziale Begegnungen, Auseinandersetzungen, Genuss und Spaß.
Keine Sekunde möchte ich missen!
Thanks a lot!
Corinna